Tag 5 Julian – Third Gate Water Cache

Da wir die Nacht in der Lodge verbracht haben war der Schlaf doch recht erholsam. Wir ließen noch einen Hiker ohne Zimmer bei uns duschen.  Nach einer ordentlichen Pizza, Bier und Independence Day kann man gut entspannen. Trotzdem war ich schon früh wach und konnte noch ein paar Bilder hochladen. Das Frühstück war gut. Es gab reichlich frisches Obst, Joghurt, Pancakes, Bagels, Kaffee, Limonade, Orangensaft, etc. Vor dem Frühstück hab ich jedoch meine Socken und Oberteil gewaschen. Das Waschbecken war fast schwarz. Urghhh. 😀 

Während die Sachen draußen trocknen telefoniere ich mit vielen Verwandten, fülle meinen Instagram Account und versende Postkarten. Dabei geht auch noch ein Bierchen von gestern hinab. 

Danach packe ich alle Sachen und checke meinen Vorrat. Noch genug für die paar Meilen bis zur nächsten Station. Um 12 verlasse ich das Zimmer und Gonzo räumt seine Sachen ins nächste. Seine Knie waren sehr schmerzhaft und er hat nach dem Frühstück ein Einzelzimmer gebucht. Leider ging es ihm gegen 12 eigentlich wieder gut, sodass er sich ein wenig geärgert hat. Naja, Pause schadet nie und er ist schnell. Er macht dann morgen halt nen großen Tag. 

Ich bin gegenüber zu Carmens gegangen. Ein Restaurant mit einem TrailAngel als Inhaberin. Sie ist super freundlich und lässt hiker auf ihrer Terasse schlafen, wäscht Wäsche, gibt Essen, etc. Ich hab nur guten Tag gewünscht und dass ich viel gutes über sie gehört habe. Dann bin ich los zu Moms Pie. Diese Inhaberin ist selbst einen Teil des PCT gewandert und schenkt jedem ThruHiker ein Stück Kuchen mit Eis sowie ein Getränk. Es war köstlich. Zu viert wie wir waren sind wir zum Postamt aufgebrochen um eine Fahrt zurück nach Cicorrs Crossing zu ergattern. Ein Hiker aus Holland wartete schon eine Stunde. Wir haben uns dann jeweils zu dritt aufgeteilt. Nach längerer Wartzeit hat dann zum Glück und auf Nachfrage eine Fahrt stattgefunden. Gemürlich smalltalk über jeden. Dann gings los. Beim aussteigen direkt die nächsten Hiker mit hochgenommen. Unter der Brücke lagen drei die gerade erst angekommen waren. Total am Ende werden sie dort übernachten. Unter der Brücke haben Trail Angel rund 200 liter Wasser für uns gebunkert. Der aufstieg beginnt. 13.40Uhr. 

Die sonne bruzelt und ich bin ein wenig in Zeit Not. Wollte eigentlich früher starten und vor Sonnenuntergang ankommen und im Bettchen liegen. Also Füße in die Hände und ab die Luzi. Nach 5 Minuten der erste Notstopp. Akku der Kamera muss gewechselt und Blase geleert werden. Da muss man aber auch an einer Bergflanke Glück haben ein nicht all zu offenes Plätzchen zu finden ;). Dann aber wirklich mit vollem Tatendrang und frisch gestärkt hinauf. Es ist nicht steil, dafür lang. In hunderten Kurven wir der Aufstieg zu einer Achterbahnfahrt. Rechts runter, links geradeaus, welle, scharfe Rechtskurve, looping, ach wie auch sonst geht es wie ein betrunkener auf einem leeren riesigen Parkplatz in vielen schlangenlinien den Berg hinauf. Zum ersten Mal sehe ich auch dickere Kakteen. Es blühen viele Blumen und meine Nase läuf unaufhaltsam. Schon im Hotel hab ich geblutet wie ein abgestochenes Schwein. Es wollte einfach nicht aufhören. Vielleicht bin ich gegen etwas allergisch. Naja, die Sabber im Ärmel verstauend geht es weiter wie ein betrunkener. Nach 2 Stunden unaufhaltsamer Höhenerklimmung lege ich eine Pause im so ersehnten Schatten ein. Kurz einen halben Liter gekippt und weiter gehts. Es ist unbeschreiblich wie man 22 Kilometer in zehn geradlinige Kilometer verstauen kann. Aber es geht. Man denke an den Parkplatz. Nachdem die Höhenmeter fallen fallen auch die Kakteen. Abgestorben und schwarz zieren sie den Wegesrand. Erinnert mich an Oktupusse. Mit ihren vielen Armen und verzweigungen. Aber auch die meisten restlichen Pflanzen haben das Handtuch geworfen. Im Sonnenschein geht es immer weiter. Ich halte noch zwei mal. Für Fotos von Mozart sowie den restlichen Tropfen. So langsam wünsche ich mir den ersten markanten Weg Punkt herbei. Ein Pipegate (Zauntür). Irgendwann, als der letzte große Berg nicht mehr fern war erschien auch das Pipegate. Yeahhh. Nur noch 8 Kilometer und es ist erst 16:40. Ich kann es also noch schaffen. Das gibt mir Kraft und meine müden geschundenen Beine bringen wieder 105% Auslastung. Es geht nun in ein Tal. Lang Leistung. Dichte kratzige Büsche wachsen in den Trail. Hier könnte auch jederzeit eine Klapperschlange sitzen. Wenn man dann einen erschrockenen hops macht kann man an manchen Stellen such das zeitliche segnen. Es geht hier teilweise schon sehr steil und tief hinab. Die Talsohle dem Rücken zugewandt kraxel ich nun wieder bergauf. Ganz oben sehe ich einen hiker und drei weitere dahinter. Die kriege ich noch. Trotz müden Füßen habe ich mein Ziel vor augen. Auch das zweite Pipegate kommt nach dem erfolgreichen Anstieg zum Vorschein. Soweit kann es nun ja nicht mehr sein. Soetwas darf man nie denken, erst wenn man das Ziel anfassen kann sollte man das sagen. Selbst wenn man das Ziel auf der anderen Seite der Bergflanke sieht, kann man trotzdem nochmmal 2 stunden irgendwo achterbahn fahren gehen. Also ich bin natürlich erleichtert bald am ziel zu sein, aber es zieht sich elendig. Die drei Mädels überhole ich. Ich kenn sie von gestern an der Wasserquelle am Mittag. Dann hole ich noch ein österreichisches Pärchen, sowie einen Amerikaner ein. Ich puste aus allen Löchern. Meine Knie tun weh und meine Füße sind hundsmüde. Wieso renn ich dann eigentlich noch so über den Trail? Keine Ahnung, weils immer noch geht und eigentlich auch recht spaßig ist. Manchmal schnellt irgend ein Geäst vom Boden gegen meine unterschenkel. Das brennt wie hölle. Direkt über meinen Socken hab ich Sonnenbrand oder eine Hautreizung, was auch immer. Einmal musste ich sogar aufschreien. Morgen werde ich meine leichten Gamaschen anziehen. Der letzte rest geht an einer steilen Flanke entlang. Umzingelt von hohen Fahnen geht es die letzten meter. Dann senkt sich der Trail in ein grünes buschiges Tal und das erlösende dritte Pipegate öffnet sich vor mir. Es ist 18:15Uhr. Nun geht es im Pinguinschritt zum nächst besten Zeltplatz direkt am Trail. Ich verdrücke erstmal zwei Stück Pizza von gestern die ich in ein Ziplogbag gequetscht hatte. Kann man essen wie Wassereis. Einfach immer drücken, dann bleiben die Hände auch einigermaßen sauber. Danach einen Liter Wasser filtern und zelt aufbauen. Ich ziehe meinen Schlafsack über und säubere meine Socken von den ganzen Pflanzensamen und Dornen. Dann richte ich den Rest und leg mich schnell hin. Meine füße wollen nicht mehr. Ich fange an zu bloggen und gegen 20:00 Uhr kommen auch 2 meiner Kollegen die mit mir im Auto saßen. Vom rest keine Spur. Ich ess jetzt vielleicht noch ein paar Chips oder fall einfach in  den Schlaf. Aktuelle Höhe 1022. Angefangen bei 689m. 

Gute Nacht 🙂 
Gewandert: 22,4 km

PCT gesamt: 146,8 km

Gratis Essen  bei Moms

Einmal Socken waschen

In der Ferne sieht man immer  den Trail

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