Tag 73 – Ed Garvey Shelter

Aufstehen, frühstücken.  Endlich wieder im Wald.
Der Weg ist ziemlich angenehm zu laufen. Schnell schwinden die Meilen unter den Füßen.  Der Höhepunkt ist das Washington Monument.  Verwundert torkeln wir vor Hitze ins Besucherzentrum um dann keinen Sodaautomaten vorzufinden! Wo gibt’s denn ao etwas.  Ziemlich untypisch für die Amis. Naja. Ohne Erfrischung geht’s hinauf zum Monument an dem wir die Mittagspause einlegen. Ich koche RiseSide da ich nichts anderes mehr für Lunch habe. Nach einem Nickerchen auf der warmen Steinmauer geht’s auch weiter. Mit Brightside mache ich mich auf den Weg. An einer Abzweigung zum Greenbrier State Park entscheiden wir uns für .6 extra Meilen zu einem See. Der Weg ist steinig und steil, bietet an seinem Ende aber einen schönen See mit Sandstrand. Im Rangerbüro kann Brightside noch einen Löffel ergattern.
Wir hängen lange in der Sonne und im Wasser rum, bevor wir träge den Rückweg antreten.  Allerdings wollen wir nicht mehr über den Zuweg wandern,  sondern über die Straße und bei der Interstateüberbrückung wieder auf den Trail stoßen.  Nachdem wir das riesige Areal umquert haben um zur Ausgangsstraße zu kommen laufen wir an der Straße entlang. In einem Wohngebiet fragen wir kurz nach dem Weg uns ergattern nebenher noch jeder eine Flasche Gatorade. Das Shelter ist auch nur ca. .5 Meilen entfernt. 
Wir hatten so einen entspannten Tag und beschließen hier zu bleiben. Numbers kommt uns auch entgegen als wir zum Shelter laufen. Er hat den heißen und schwülen Nachmittag am Shelter verbracht und wandert nun zum nächsten Shelter. Am Shelter treffen wir auf 4 junge Sktionhikerinnen. Essen kochen, nichts tun. Ab ins Bett. 
Den Blog hab ich seit DC nicht mehr angerührt.  Aber Abends ist gerade nicht mehr genug Motivation übrig um mich in der Dunkelheit noch der Berichterstattung hinzugeben.  Wir sind beide ziemlich müde und erschöpft.  Scheint sich nach der mentalen Halbzeit wohl so einzuschleichen. Hoffe das legt sich bald wieder.  Es ist ziemlich ätzend immer platt zu sein und sich nach 10 Meilen schon in den Schlafsack zu wünschen.  😉

Gewandert: 16.6
Insgesamt: 1046.3

Tag 72 – Washington DC

Um 7 geht’s raus um den restlichen Tag für ein Museum zu nutzen.  Nach einem ausgedehnten Frühstück verziehen wir uns mit den Rucksäcken Richtung Bahnhof.  Die Schließfächer kosten rund 80 Dollar für uns. Also laufen wir mit den Rucksäcken zum Museum und hoffen auf Schließfächer.
Wie kommen nicht rein,  keine Chance. Brightside und Kiwi bleiben dann im Park während Numbers und ich das Air & Space Museum erkunden.  Nach drei Stunden ermüdend Laufens kehren wir in den Park zurück.  Wir hängen noch ein wenig herum bevor wir von einem Schauer unter einen Baum getrieben werden. Danach geht’s zurück zum Bahnhof.  Essen und auf den Zug warten.  Im Zug schlafe ich die meiste Zeit.  Der Zug hat wieder Verspätung und wir sind erst gegen 18.00 wieder in Harpers Ferry. Wir essen nochmal schnell etwas im letzten offenen Laden und schreiten über die Eisenbahnbrücke nach Maryland. Am Potomac geht es gemütlich entlang bis wir zum Ed Garvey Shelter aufsteigen. Der Berg erweist sich mit der hohen Luftfeuchtigkeit als sehr schweißtreibend aber es macht Spaß wieder auf dem Trail zu sein. Meine Wanderstöcke sind allerdings hinüber und hängen nutzlos am Rucksack. Am Shelter warten schon 4 FlipFlopper. Kochen müssen wir nicht mehr und so können wir direkt in unsere Schlafsäcke schlüpfen.  Nach neun, Hiker Mitternacht,  geht es in eine heiße Nacht die kaum Schlaf verspricht.  Zeit den Schlafsack zu wechseln. Mücken kommen nun auch um einen zu terrorisieren. 

Was soll ich sagen. Abgesehen von der guten Gesellschaft hätte ich mir DC schenken können.  Nichts was ich unbedingt hätte sehen müssen.  Es war einfach nur mega anstrengend und man ist schlimmer gebrezelt als nach einem Wandertag.  Man rennt von einem Spot zum nächsten und man kann nichts wirklich genießen. Danach hätte ich noch einen Zero zur Regeneration gebrauchen können. 

Gewandert: 6.3
Insgesamt: 1029.7

Tag 71 – Harpers Ferry Hostel

Bei all you can eat pancakes mit Erdbeeren und frischen Blaubeeren buchen wir unsere Tickets fürs Wochenende.  Ein Tagestripp ist am Wochenende nicht möglich.  Also Hostel ebenfalls über die nette Inhaberin buchen lassen. Auf dem Weg zum Tageseinkauf werden wir am Bahnhof raus gelassen.  Die Wartezeit verkürzen wir mit einem Eis. Der Zug ist ziemlich leer und bietet mehr Fußfreiheit als die deutschen ICE. In DC erwartet uns brütende Hitze. Im Sonnenschein laufen wir ca. 30 Minuten zum Hostel. Komplett durch geschwitzt checken wir ein.  40 $ für ein Bunkroom, 54 $ für ein dreier Zimmer. Um in ein Museum zu gehen ist es schon zu spät und wir gehen uns mit Baguettes stärken.  Anschließend starten wir eine große Tour über die Sehenswürdigkeiten DCs. White House, Lincoln Memorion,… etc. Die Füße fühlen sich träge an. Nachdem uns ein Gewitter ordentlich durchnässt hat,  fahren wir mit dem Taxi zurück.  Klamotten in den Trockner.  In kurzen Hosen, Regenjacke und Crocs geht’s auf die Suche nach weiteren Essbaren. An einer Kreuzung werden wir von einem jungen Mann angesprochen.  Ihr seid Hiker? Ja sicha. Wir sehen halt wirklich aus wie welche. Es folgt nettee Smalltalk indem uns auch ein Platz für die Nacht angeboten wird. Leider zu spät. 
Wir speisen in einem Chinesischen Restaurant und verziehen uns danach in Five Burgers. Das normale Essen reicht halt nicht mehr.
Zurück im Hostelzimmer quatschen wir noch ein wenig.

Abgesehen das wir den ganzen Tag auf den Beinen waren, erschöpft wie nach einem normalen Wandertag sind hat DC für mich nicht viel zu bieten. Es war nett die Sehenswürdigkeiten zu erkundigen aber für mich als Hiker ist das zu anstrengend.  Man ist zu platt um einen normalen Touristentag mit nötigen Interesse zu verfolgen.  Man sehnt sich nach Essen und einem Bett. Müde wie eh und je versinken wir im Bett. 

Gelaufen: ca. 9
Insgesamt: 1023.4

Tag 70 –

Aufstehen ohne Wecker um 8. Die Frau ist schon weg, hat aber das Essen wieder ausgepackt und für uns da gelassen. Wir packen zusammen und machen uns auf sie letzten Meilen nach Harpers Ferry. Der Blase gehts besser und ich laufe ohne Einlagen.  Das klappt wunderbar.
Über den Ruhetag gestern sind wir beide mehr als froh.  Ohnehin hätten wir es nicht mehr rechtzeitig geschafft und  ains glücklich einen so verschlafenen Tag gehabt zu haben. Es geht nun quasi nur noch bergab.  Aber der Trail ist weiterhin steinig.  Allerdings können wir heute vor Energie strotzend mit Leichtigkeit unsere Füße zu großen ausholendnen Schritten bewegen. Erst kurz vor der Grenze zu West Virginia wird es nochmal richtig, richtig Steinig bevor ein steiler Pfad zum Potomac hinunter führt.  Über den breiten Fluss mit vielen Steinen und Stromschnellen laufen wir hinauf zur AT Conservancy.  Hier verbringen wir eine lange Zeit, treffen alte Freunde wieder und durchstöbern das Hikerfotobuch. Wir schießen unsere Fotos und versenden Postkarten. Brightside hat 4 Pakete bekommen und ich kann gute Schokolade abgreifen.  Nach der großzügigen Pause laufen wir hinab in die „Altstadt“  uns trinken gemütlich unseren langersehnten Kaffee. Im Outfitter nebenan erkundigen wir uns nach einer guten Übernachtungsmöglichkeit und bekommen nach Feierabend eine fahrt zum 3 Meilen entfernten Harpers Ferry Hostel. In der Zwischenzeit verdrücken wir noch einen riesen Cheeseburger und versuchen erfolgreich ein paar Berührungen mit einem Hackysack auf die Reihe zu bekommen.
Das Hostel ist super. Alles was man braucht und eine tolle gemütliche Einrichtung. Zum Abendessen kocht Chef noch lecker mexikanisch. Mit ein paar Bier sitzten wir dann noch mit Kiwi am Tisch der kurz vor fünf in die Stadt gerannt kam. Am Wochenende sind Trail Days in Damaskus und viele Hiker sind gerade nicht mehr auf dem Trail.  Also geht’s für uns morgen nach DC. Danach treffe ich hoffentlich wieder auf Hot Pants der von Harpers zu den Trail Days gegangen ist.

Gewandert: 9.7
Insgesamt: 1023.4

Tag 69 – Sam Moore Shelter

Weiter geht die blöde,  schwachsinnige und bestimmt auch körperlich nicht ungefährliche 4 Tagestour. Um 5 klingelt der Wecker,  doch ich wache erst gegen 5.30 aud. Es ist schon hell und ich lasse die Luft aus meiner Matte um mich auf den kalten Boden zu verfrachten. Nun ist aufstehen unausweichlich.  Wir packen alles zusammen. Essen kurz etwas und verschwinden unbemerkt von den anderen wieder auf den Trail. Der zweite Teil vom Roller Coaster steht an. Wie jeden morgen der letzten Tage sind wir bedient. Mein rechter Fuß schmerzt.  Nach kurzen Anstieg erreichen wir die 1000 Meilen Marke die ich verpasst hätte wäre Brightside nicht stehen geblieben um ein paar Fotos zu schießen. Die Freude hält sich an diesem kalten morgen allerdings in Grenzen 😉
Rauf und runter.  Die Steine sind spitz, groß und unsere Feinde. Es ist nicht möglich gemütlich zu wandern. Volle Aufmerksamkeit auf jeden Schritt zu richten fällt einem nach 5 Stunden schlaf schwer. Augen auf gewohnter Position.  Auf den Bears Den Rocks machen wir eine Pause und legen uns zu einem Powernap auf die Steine.  Ich schlafe wunderbar. Nach 30 Minuten in der Sonne gehts mit schweren Füßen weiter. Am Bears Den Hostel ein paar Meter weiter versuchen wir einen Kaffee abzustauben. Ergebnislos.  Aber es sieht wirklich super schön aus. Wir laufen weiter. Die Meilen schwinden nur mühsam unter unserern Füßen. Wir schaffen vielleicht und auch nur mit Glück 2 Meilen die Stunde.  Auch als wir den Roller Coaster verlassen bleibt der Untergrund dem Roller Coaster treu. Aber die stetigen Höhenunterschiede weichen seichten Auf- und Abschwüngen. Wir laufen und laufen, pausieren und laufen. Wir treffen auf zwei Trailarbeiter und verweilen für einen Smalltalk. Sie raten uns ins nächste shelter einzukehren, da es bis 5 wohl nicht mehr möglich ist bis zur AT Conservancy zu wandern. Es sind 3 Meilen bis zum nächsten Shelter und dann nochmals knapp 9 die ebenfalls sehr steinig ausfallen. Wir nehmen diesen Rat glaube ich beide ohne jegliche Reaktion unsererseits an. Einer der Männer meinte auch, dass ich wie ein ThruHiker aussehe.  Ich weis nicht ob er das aus meinem Bart und den wilden Haaren oder meinem ausdruckslosen,  vor Erschöpfung trotzdem Gesicht schloss.
Brightside läuft voran und ich lege nochmal eine Pause ein, ziehe die Schuhe aus um meine Blase aus den Shenies vom Tape zu befreien. Als ich den Socken vorschiebe erwartet mich eine Monster Blase. Aus der kleinen Blase ist eine über die Front des ganzen kleinen Zeh geworden. Sieht schlimm aus und fühlt sich scheisse an. Auch meine Wanderstöcke geben längst keine Unterstützung mehr. Es funktioniert nur noch einer. Der andere Stock hängt ca. 20 Zentimeter tiefer und lässt sich nicht mehr fixieren.  Ich laufe zum Shelter. Nach 8 Stunden habe ich die 14.2 Meilen geschafft. Um 14.00 breiten wir uns im Shelter aus. Ich hole Wasser von der .25 entfernten Quelle im Tal. Wieso muss ich immer in den Sheltern landen, an denen die Wasserquelle eine eigene Expedition erfordert? 
Immerhin ist es ansonsten TOP! Veranda, Hollywood Schaukel, Pavillon und Picknicktische. Wir lesen ein wenig und schlafen eine Runde. Kochen kurz etwas unter dem Pavillon und legen danach wieder ein Nickerchen ein.  Der Nachmittag verstreicht und wir verkriechen uns in unsere Schlafsäcke im Shelter. Wieder schlafen. Als wir aufwachen ist es schon 19.30. Eine Frau ist inzwischen in Shelter und schläft ebenfalls.  Das habe ich eindeutig verschlafen.  Ich fange an meine Essenssachen einzuräumen, finde jedoch nicht alles! Ea fehlen meine Tortillas, Kartoffelbrei, Tuntisch und RiseSides. Brightside kommt auch angeschlichen und vermisst ebenfalls einiges. Naja, einpacken was noch da ist und zurück in den Schlafsack.  Die Frau erwacht und entschuldigt sich dafür,  sie dachte,  dass die Sachen keinem gehören und zurück gelassen  wurden. Unter ihrer Plastikplane und Wolldecke hege ich keinen greul und sage geschenkt.  Morgen ist Townday und auf ein wenif Reis und Kartoffelbrei kann ich verzichten.  Ich lese noch ein wenig und schlafen dann auch schon wieder ein.

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Gewandert: 14.2
Insgesamt: 1023.4