Tag 69 – Sam Moore Shelter

Weiter geht die blöde,  schwachsinnige und bestimmt auch körperlich nicht ungefährliche 4 Tagestour. Um 5 klingelt der Wecker,  doch ich wache erst gegen 5.30 aud. Es ist schon hell und ich lasse die Luft aus meiner Matte um mich auf den kalten Boden zu verfrachten. Nun ist aufstehen unausweichlich.  Wir packen alles zusammen. Essen kurz etwas und verschwinden unbemerkt von den anderen wieder auf den Trail. Der zweite Teil vom Roller Coaster steht an. Wie jeden morgen der letzten Tage sind wir bedient. Mein rechter Fuß schmerzt.  Nach kurzen Anstieg erreichen wir die 1000 Meilen Marke die ich verpasst hätte wäre Brightside nicht stehen geblieben um ein paar Fotos zu schießen. Die Freude hält sich an diesem kalten morgen allerdings in Grenzen 😉
Rauf und runter.  Die Steine sind spitz, groß und unsere Feinde. Es ist nicht möglich gemütlich zu wandern. Volle Aufmerksamkeit auf jeden Schritt zu richten fällt einem nach 5 Stunden schlaf schwer. Augen auf gewohnter Position.  Auf den Bears Den Rocks machen wir eine Pause und legen uns zu einem Powernap auf die Steine.  Ich schlafe wunderbar. Nach 30 Minuten in der Sonne gehts mit schweren Füßen weiter. Am Bears Den Hostel ein paar Meter weiter versuchen wir einen Kaffee abzustauben. Ergebnislos.  Aber es sieht wirklich super schön aus. Wir laufen weiter. Die Meilen schwinden nur mühsam unter unserern Füßen. Wir schaffen vielleicht und auch nur mit Glück 2 Meilen die Stunde.  Auch als wir den Roller Coaster verlassen bleibt der Untergrund dem Roller Coaster treu. Aber die stetigen Höhenunterschiede weichen seichten Auf- und Abschwüngen. Wir laufen und laufen, pausieren und laufen. Wir treffen auf zwei Trailarbeiter und verweilen für einen Smalltalk. Sie raten uns ins nächste shelter einzukehren, da es bis 5 wohl nicht mehr möglich ist bis zur AT Conservancy zu wandern. Es sind 3 Meilen bis zum nächsten Shelter und dann nochmals knapp 9 die ebenfalls sehr steinig ausfallen. Wir nehmen diesen Rat glaube ich beide ohne jegliche Reaktion unsererseits an. Einer der Männer meinte auch, dass ich wie ein ThruHiker aussehe.  Ich weis nicht ob er das aus meinem Bart und den wilden Haaren oder meinem ausdruckslosen,  vor Erschöpfung trotzdem Gesicht schloss.
Brightside läuft voran und ich lege nochmal eine Pause ein, ziehe die Schuhe aus um meine Blase aus den Shenies vom Tape zu befreien. Als ich den Socken vorschiebe erwartet mich eine Monster Blase. Aus der kleinen Blase ist eine über die Front des ganzen kleinen Zeh geworden. Sieht schlimm aus und fühlt sich scheisse an. Auch meine Wanderstöcke geben längst keine Unterstützung mehr. Es funktioniert nur noch einer. Der andere Stock hängt ca. 20 Zentimeter tiefer und lässt sich nicht mehr fixieren.  Ich laufe zum Shelter. Nach 8 Stunden habe ich die 14.2 Meilen geschafft. Um 14.00 breiten wir uns im Shelter aus. Ich hole Wasser von der .25 entfernten Quelle im Tal. Wieso muss ich immer in den Sheltern landen, an denen die Wasserquelle eine eigene Expedition erfordert? 
Immerhin ist es ansonsten TOP! Veranda, Hollywood Schaukel, Pavillon und Picknicktische. Wir lesen ein wenig und schlafen eine Runde. Kochen kurz etwas unter dem Pavillon und legen danach wieder ein Nickerchen ein.  Der Nachmittag verstreicht und wir verkriechen uns in unsere Schlafsäcke im Shelter. Wieder schlafen. Als wir aufwachen ist es schon 19.30. Eine Frau ist inzwischen in Shelter und schläft ebenfalls.  Das habe ich eindeutig verschlafen.  Ich fange an meine Essenssachen einzuräumen, finde jedoch nicht alles! Ea fehlen meine Tortillas, Kartoffelbrei, Tuntisch und RiseSides. Brightside kommt auch angeschlichen und vermisst ebenfalls einiges. Naja, einpacken was noch da ist und zurück in den Schlafsack.  Die Frau erwacht und entschuldigt sich dafür,  sie dachte,  dass die Sachen keinem gehören und zurück gelassen  wurden. Unter ihrer Plastikplane und Wolldecke hege ich keinen greul und sage geschenkt.  Morgen ist Townday und auf ein wenif Reis und Kartoffelbrei kann ich verzichten.  Ich lese noch ein wenig und schlafen dann auch schon wieder ein.

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Gewandert: 14.2
Insgesamt: 1023.4

3 Gedanken zu “Tag 69 – Sam Moore Shelter

  1. Erst mal Glückwunsch zum geschafften Meilenstein Harpers Ferry. Für mich war es ein erhebendes Gefühl es so weit geschafft zu haben. Aber da ich noch Fotos von dir auf Kathadin sehen will … und wenn man sich das Foto von der Grenze so anschaut … es gibt keinen Preis für schnelles Ankommen an Kathadin. Du machst eine tolle „Arbeit“, besonders das Blogschreiben nach derart langen Tagen ist eine harte Arbeit. Aber passe ein bisschen auf deinen Körper auf. Es werden jetzt auch sehr steinige Passagen kommen, die sich auch über Tage hinziehen und das ganze bei warmen Wetter. Das ist reine Kopfsache und da hilft es wenn der Akku nicht ganz leer ist und man sich noch ein bissl konzentrieren kann. Leider kommt man viel zu schnell in so eine Art Tunnel und hat keinen Blick mehr für Links und Rechts des Trails. Vielleicht hilft die Auszeit in DC. Trotzdem großartige Leistung und ich freue mich auf die nächsten Berichte. Vielleicht hast du Zeit noch ein paar zusätzliche Bilder online stellen,

  2. Hallo – Gratulation zur bisherigen Leistung und danke an dieser Stelle für die ausführlichen Infos im Blog. Da ich nicht nur Deinen Blog verfolge hier mal kurz die Frage ob Du die Aussagen die ich in diesem Blog gelesen habe bestätigen kannst. Vielleicht hast Du ja Zeit das zu lesen und kurz Stellung zu nehmen so von Landsmann zu Landsmann.
    http://feel4nature.com/warum-wir-dem-appalachian-trail-ohne-reue-den-ruecken-kehren/2015

    Gruß aus Pforzheim
    Harald

    • Hallo Harald
      Wenn ich so spät gestartet wäre könnte ich die Aussage unterschreiben. Aber bin ich zum Glück nicht. 15. / 1. Sind beliebte Starttage, ohne Zweifel.
      Ich hatte natürlich auche Shelter an dem viele Leute waren, doch nach einigen Tagen ging das auch vorüber. Die Leute mit denen ich unterwegs bin/ war sind größtenteils Studenten / Ex Soldaten und junge Erwachsene die ihren Job für die Wanderung aufgegeben haben. Super nett und umgänglich für mich persönlich. Viele haben bereits den PCT oder den CDT erwandert. Natürlich ist ein Großteil ohne derartige Fernwandererfahrung.
      Wir haben in unserer Gruppe auch von der Menschenwalze hinter uns gehört. Nicht AT Würdig für mich darin zu verweilen. Das würde ich auch nicht wollen. Doch die Gruppengröße passt gerade super auch wenn nun viele FlipFlopper auf den Trail stoßen.
      Zu den Trailbedingungen kann ich nicht viel sagen. Aber ich bin jetzt nicht enttäuscht, ist schließlich „wildnis“ da stell ich keine Ansprüche. Wenn ich durch Wasser wandern muss, dann ist das gerade so usw. Also möchte ich mich dazu enthalten.
      Preise um den Trail: Ohne Witz. Es ist teuer. Es wird auch mehr touristisch an bestimmten Stellen.

      Ich denke mal, es hängt stark vom Startdatum ab. Wir haben hier Tage, wo nur eine Person im Trailregister steht, dann für 2 keiner.
      Ich fühle mich infront der meisten Hiker wohl.
      Weitere Fragen erwünscht. Muss jetzt aber noch 3 Tage Blog nachholen 😉

      Beste grüße von der half Gallon challange

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