Zu kalt – zu müde

Die Temperaturen für meinen ersten geplanten Wandertag überschreiten in der Nacht schon jetzt meine Schmerzgrenze. Gefühlte -20 °C sind einfach zu viel. Zum Glück habe ich jetzt noch die Wahl und habe mir eine weitere Nacht in einem Bett gegönnt. Am Donnerstag lasse ich mich vom HikerHostel in North Springs abholen und genieße eine Nacht in Dahlonega. Damit wären meine Transportüberlegungen auch hinfällig und ich kann mich entspannen. Denn das kann ich gut gebrauchen. Wenn der Jetleg noch hinzukommt, kann man mich die ersten 600 Stufen hochrollen, ohne das ich Zucke. Deswegen ist ein weiterer Tag super und ich kann auch andere ThruHiker kennen lernen.
Die letzten Tage waren nicht gerade zum erholen. Viel zu viel zu erledigen und egal wie viel man am Tag schafft, es fühlt sich immer wieder wie vorher an. Und täglich grüßt das Murmeltier sag ich da nur. Übrigens ein Film mit hohem persönlichen Ansehen.
Der Rucksack ist jetzt soweit gepackt und muss morgen noch Flugsicher gemacht werden. Der letzte Akku lädt und die letzte Hörbuchdatei ist auf meinem MP3 Player angekommen. Das Permit für die Great Smoky Mountains habe ich auch bezahlt. Mein Reisepass, ebenso wie die Kreditkarte liegen griffbereit. Es kann also nichts mehr schief gehen.
Morgen muss ich dann auch schon einkaufen gehen. Im REI werde ich mir einen Gaskocher, Kartuschen und Mountain House Fertignahrung zulegen. Im WallMart geht´s dann richtig zur Sache. Durch mündliche Warnungen kam mir zu Ohren, dass ich mir im Voraus lieber einen eigenen Stadtplan für den Megastore ausdrucken sollte. Ich will mal hoffen, dass ich alles finden kann bevor mir die ersten Blasen entstehen.
Also wenn es um das Essen geht muss man auch Opfer bringen. Ich hoffe aber, dass meine Geldbörse und nicht meine Füße zum Opfer auserkoren werden. Was ich mir im Vorfeld so alles überlegt habe, lässt sich wie folgt runter beten: PopTarts, Fruity Pebbles Treats, Power Bar, Cliff Bar, Toast Cheese (Peanut Butter), Beef Jerky, Honey BUN, Snickers, Real Stick, Ramen. Und denkt jetzt bitte nicht, woww was ist das denn alles? Der Gedanke ist mir vorbehalten! Ich habe keine Ahnung was mich da erwartet 😉 Mountain House soll aber echt top sein und Ramen hat jeder AT-Blogleser schon oft gehört.
Bilder vom meinem Einkauf, sowie von meiner Ausrüstung gibt es dann aus dem Hotel oder vom HikerHostel aus.
Ich wünsche eine gute Nacht! Bis gleich aus Frankfurt 🙂

Aufbruch

Heute morgen geht’s für mich los. Die ersten Kontakte und Zelte habe ich bereits abgebrochen. 
Freitag war mein letzter Arbeitstag und gerade fahre ich, bis zum Abflug, zu meinen Eltern und besuche meine Familie.
Die letzten Tage waren recht stressig. Gedanken an meine eigentliche Reise konnte ich dabei wenig aufbringen. Allerdings erfreut es mich sehr, dass mein Blog in den letzten Tagen sehr viele Besucher verzeichnet.  Zugriffe kommen aus Österreich,  Neuseeland,  USA, Luxemburg, Schweden, Vereinigte Arabische Emirate, Vietnam, China, Taiwan, Spanien, Portugal oder der Schweiz. Eine super motivationsrundlage für eine lebhafte Berichterstattung 🙂

Das Wetter am Springer Mountain,  mein Startpunkt,  ist zur Zeit einfach gesagt kalt. Für meinen ersten Wandertag am 5.3. sind Schneefall und Temperaturen um -2 ºC am Tag, bis -9 ºC in der Nacht vorhergesagt.  Erst gegen Samstag erreichen die Temperaturen in der Nacht ein erträglichen Wert, den auch mein Quilt kompensieren kann. Auf jeden  Fall muss ich mich warm einpacken 😉
Vielleicht lasse ich mich auch noch eine Nacht im Hikerhostel nieder,  sodass ich das schlimmste gemütlich abwarten kann. Damit wäre auch mein Transport im Vorhinein geregelt. 

Für meinen ersten Einkauf muss ich mir die Tage mal etwas überlegen und ein paar Foren und Berichte studieren.  Meine Einkaufsliste werde ich dann online stellen.

Schönen Sonntag liebe Leser!

Visum

Nachdem ich seit Sonntag mit Fieber im Bett gelegen habe, stand heute mein Termin im Konsulat in München an. Ein freier Termin in den nächsten Tagen war leider nicht mehr zu haben, sodass ich das heute einfach durchgezogen habe. Da die Bahn die Tage auch noch streiken wollte, habe ich mir gestern kurzfristig ein Auto gemietet und bin heute Nacht gegen Mitte der ersten sechs Tagesstunden aufgestanden und habe meine Dokumente zusammengelegt.
Der Termin war um 7.45 Uhr vereinbart. Mitzubringen waren das Antragsformular DS-160, gültiger Reisepass, Terminbestätigung sowie ein geeignetes Foto.
Die Terminbestätigung habe ich nicht benötigt. Ein Foto würde ich im Vorhinein nochmals professionell machen lassen. Keiner hatte ein passendes Foto hoch geladen, sodass neue vor Ort gemacht werden mussten (Kostet 5€). Mir wollte der Beamte auch erst nicht abnehmen, dass ich die Fotos erst gestern hab machen lassen, aber naja, ich sah auch nicht wirklich gesund darauf aus. 😉
Die Anreise war eigentlich ganz entspannt, aber man ist gefühlt dauernd in einer Baustelle gefangen. A8 ist mies. Aber zum Glück wurde es erst vor München etwas voller. Um nah am Konsulat zu parken, habe ich die Tiefgarage an der alten Oper ausgewählt. Von dort braucht man nur 10 Minuten zu Fuß. Am Konsulat angekommen musste ich meinen Reisepass vorzeigen und noch kurz mit zwei weiteren Visaanwärterinnen für eine Minute warten. Danach konnten wir in die Sicherheitskontrolle. Hier kann man auch alle elektronischen Gegenstände wie Handys, Autoschlüssel etc. abgeben. Im eigentlichen Konsulat lässt man sich kurz das DS-160 abstempeln und gibt dies mit seinem Reisepass am Schalter ab. Ich konnte bereits nach 2 Minuten meine Fingerabdrücke abgeben. Nach weiteren 10-15 Minuten war ich schon im persönlichen Gespräch. Das Gespräch, sowie alle anderen Gespräche im Konsulat wurden auf Deutsch geführt.
Um ein Visum zu bekommen muss man eigentlich beweisen, dass man wieder ausreist, genug Geld hat etc. Darauf war ich vorbereitet. Allerdings verlief das Gespräch wesentlich entspannter. „Hallo“, „Servus“. „Ich bräuchte noch einmal ihre Fingerabdrücke von der linken Hand“, „kein Problem“. „Wieso wollen sie in die USA reisen“, „Ich mache eine Weitwanderung auf dem Appalachian Trail“. “ Ohh, wandern Sie von Georgia nach Maine, oder von Maine nach Georgia?“. „Grins, ich wander von Gerogia nach Maine“. „Wie finanzieren sie ihre Reise“, „Hauptsächlich privat, aber mit familiärer Unterstützung“. „Alles klar, ihr Visum ist genehmigt. Sie erhalten ihren Reisepass mit Visum in drei bis vier Tagen“. „Vielen Dank und einen schönen Tag!“
Ich hab weniger als eine Stunde vom Parkhaus und zurück gebraucht. Das war auch besser. Für 4€ die Stunde hätte das teuer werden können. Danach schnell zurück nach Stuttgart, Auto abgegeben und ab ins Bett.

Grundlegend: Das Personal war super, super freundlich und hilfsbereit.

Tipps:

Nehmt mindestens 5€ für neue Passfotos mit. Ansonsten könnt ihr nochmals aus dem Konsulat zum Bankautomaten, das ist aber umständlich und einfach zu vermeiden.

Wenn ihr den Termin um 7.45 nehmt, werdet ihr nicht lange warten müssen. Früher geht´s nicht. Auch wenn man früh aufstehen muss, die Wartezeit zu manch anderen Termin ist in dem kleinen Warteraum bestimmt angenehmer.

Zum Gespräch kann ich eigentlich nichts sagen. Bringt nicht zu viel Kram mit, aber das Nötigste sollte dabei sein.
Kontoauszüge, Mietverträge, Arbeitsverträge für den Zeitraum nach der USA  Reise. Das reicht eigentlich schon. Wer den AT gehen will, hat sowieso schon gewonnen. Die kennen den Trail und wissen was wir wirklich wollen! Ich hab auch noch nirgends gelesen, dass ein ThruHiker aus Deutschland von den Behörden im Konsulat/ Flughafen abgewiesen wurde.

Handys können in München ruhig mitgenommen werden. Im Netz steht es könnte zu einer Verzögerung/ Stornierung des Termins kommen. Aber man kann alles in einer Schachtel im Kontrollhaus hinterlassen und bekommt dafür einen Pfandausweis. Also kein Stress, von wegen extra Schließfach mieten oder Autoschlüssel beim Bäcker hinterlegen. Die Zeiten sind vorbei.

Der nächste Schritt wäre dann die Krankheit abschütteln und einen Flug buchen.

Lebenszeichen

Nachdem mehr als ein Monat vergangen ist seitdem ich den letzten Beitrag verfasst habe, muss ich einfach mal wieder etwas posten.
Meinen Abschluss habe ich in der Tasche.  Am liebsten würde ich das auch im Zusammenhang mit meinen Vorbereitungen behaupten,  aber wie das bei mir halt so läuft,  mache ich erst dann etwas wenn es wirklich nötig ist. Im Grunde habe ich auch nicht vor, große Planung und Vorbereitung zu treffen.  Flug, Hotel, Einkaufen, Bounce Box verschicken und zum Trail fahren lassen. So sieht die Reihenfolge aus die ich ab dem 5. März abarbeiten sollte.
Kurz zur Bounce Box. Ich werde meine Sommerausrüstung vor der Wanderung von Atlanta aus verschicken. Ich kann mit der Bounce Box flexibel auf meine Ausrüstung zugreifen, indem ich diese postlagernd verschicke.  Ich wähle ein Ziel auf meiner Route aus und kann dort das Paket,  welches dort aufbewahrt wird bis ich komme, öffnen oder es gebührenfrei an eine nächste Station weiterleiten. Das heißt aber auch, das ich zu bestimmten Öffnungszeiten an Ort und Stelle erscheinen muss. Teilweise kann man das Paket auch durch einen Anruf an die nächste Poststelle, Hostels oder Outdoorläden weiterleiten.
Am Donnerstag habe ich meinen Visatermin in München.  Ja ich weiß,  mega spät. 😐 Aber müsste theoretisch alles klappen, da ich meinen Arbeitsvertrag für den 1. September schon lange unterschrieben habe und somit einen anständigen Grund habe, mich nicht länger als erlaubt in den USA aufzuhalten. Mal schauen wie das so wird.
Bei der Auslandskrankenversicherung (AKV) bin ich noch am überlegen.  Die ADAC AKV bietet für eine Rettungsaktion aus dem Gelände nur eine Deckung der Kosten bis ca. 2.400 € an. Da ist man, wenns blöd läuft,  in den Appalachen schnell mal drüber. Aber naja, es kommt wie es kommt.  Ich werde die AKV wahrscheinlich trotzdem dort abschließen.

Die Erstellung der Beiträge über mein Smartphone klappt eigentlich auch ganz gut. Dauert nur etwas länger zu tippen. In dem Sinne,  schone ich mein Handy für kommende Aktivitäten und melde mich am Donnerstag aus München!

Keine Vorstellung was wo abgeht?

Beim stöbern in den Weiten des Internets habe ich eine sehr interessante Seite gefunden die den Weg in höchster Präzision darstellt. Kilometerangaben, Auf- und Abstiege, Schlafmöglichkeiten gepaart mit dem ein oder anderen Foto. Sehr zu empfehlen!

Und jetzt der eigentliche Grund für diesen Post:

Ich habe die Höhenangaben für alle Etappen zusammengerechnet und bin insgesamt auf 114.308 Meter Aufstieg und 112.278 Meter Abstieg gekommen. Wenn ich könnte wäre jetzt der Zeitpunkt einen Smiley mit sehr sehr großen Augen einzufügen.
Das sind hochgerechnet über 64 Höhenmeter pro Kilometer oder ca. 1240 Höhenmeter pro Tag. Ich zietiere mich gerne und wenn ich könnte wäre jetzt der Zeitpunkt einen Smiley mit sehr sehr großen Augen einzufügen.
Aber dieser hier 8) stellt wohl eher den Zustand nach den Höhenmetern dar. Dann fühle ich mich hoffentlich so: 😎

Aber kein Grund zur Sorge, ist ja nicht so als ob ich das nicht vorher gewusst hätte!