Tag 50 – Daleville

Nach einer erholsamen Nacht in einem richtigen Bett bin ich Verhältnismäßig früh zum Frühstück gegangen.  Nichts besonderes für unsere europäischen Verhältnisse. Toast,  Waffeln und Joghurt waren schon die Höhepunkte. Gegen 10.30 sind wir dann ausgecheckt. Um den anderen noch Hallo zu sagen, bin ich noch kurz ins Howard Johnsonn gegenüber gegangen.  In einem zweizimmer Hostel saßen 7 Hiker auf Betten und Böden.  Sahen fern, tranken Bier und aßen ungesundes Zeugs!  Diesem Sog konnte ich nicht entgehen. So verbrachten wir den Tag mit Fernsehen, Bier, Gertiggerichten und nichts tun. Der Höhepunkt war um 20 Uhr Godzilla.

Gewandert: 0.0
Insgesamt: 727.8

Tag 49 – MC Afee Knob

Nach der super windigen und kalten Nacht trafen schon früh viele andere Dayhiker ein um den Sonnenaufgang zu genießen.  Nach ein paar mehr Fotos ging es dann um 7.00 los. Es war einfach zu kalt und wir mussten uns bewegen.  Hinab ging es zu einem Shelter an dem wir Brightside trafen.  Rolling Thunders Füße sind hinüber. Haben wohl schon in der Nacht geblutet. Auch sonst ist bei ihnen gestern so einiges nicht so toll gelaufen wie bei uns.  Deswegen hüllen wir uns auch in schweigen und genießen still die Eindrücke der letzten Tage. Über eine Ridgeline gelangten wir zu den Tinker Cliffs. 0.5 Meilen führt der Trail hier an Klippen mit Sicht zurück auf MC Afee Knob vorbei. Am nächsten Shelter machen wir kurz Pause.  Wir lassen es ruhig angehen,  stehen heute nur 15 Meilen in die Stadt an. Aber die nächsten 8 Meilen ziehen sich doch ein wenig. Der Wald ist hell und schön,  bietet aber keine Abwechselung.  Erst 5 Meilen vor der Stadt wir es hügeliger und mehr große Steine mit großen  Tritten folgen. Als wir dann endlich die letzten 2 Meilen bergab traben sind wir froh. Es war jetzt nicht so weit, aber die Meilen müssen trotzdem abgeschritten werden. 
In Daleville ging es direkt ins Mt. Mill Cafe. Cappuccino und gutes Wlan. Da kann man in ruhe etwas hochladen. Danach ging es ins 3 pigs BBC, oder so. Sehr gutes Essen und für Hiker gibt es einen super leckeren Bananenpudding zum Nachtisch gratis. Der anstehende resupply war nicht so fröhlich geprägt.  Wieder ein vollet Rucksack.  Aber dieses Mal war ich glaube ich wirklich sparsam. Vielleicht ein wenig zu viel schokoriegel 😉
Der nachste Resupply steht in 4-5 Tagen an.
Die Nacht verbringen ca. 11 Freunde von mir in einem Hotelzimmer.  Ich habe nach dem Einkauf leider den Anschluss verpasst und weiß nicht welches Zimmer.  Aber auf dem Weg zum Hotel treffe ich noch einen anderen Hiker der ein Hotelzimmer teilen will. Ich checke also ein während er einkaufen geht. Seinen Namen muss ich später nochmal erfragen.  Ist aber schon ein paar Tage her, dass ich ihn gesehen habe. Ich habe den Schlüssel einfach für den nächsten Hiker der rein kommt und fragt hinterlassen.  Die Dame guckte zwar ein wenig komisch , aber ich meinte nur typisch Hiker.

Unter Tag 45 sind einige Fotos der letzten Tage hochgeladen. 🙂
Gewandert: 16.1
Insgesamt: 727.8
Wetter: sonnig

Tag 48 – Pickle Branch Shelter

Hot Pants, Buster und ich sind heute überhaupt nicht aus dem Quark gekommen. Es war wirklich kalt und so haben wir noch lange am Feuer gestanden bevor wir unseren großen Tag der Höhepunkte beginnen.
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Am Feuer umgezogen und gefrühstückt,  Check. Alle anderen waren schon weg. Zum Cove Mountain ging es gemächlich hinauf.  Schöne Serpentinen gemischt mit einer Menge Wind.  Nachdem die Serpentinen abgearbeitet waren war uns warm und wir verabschiedeten uns von ein paar Kleidungsschichten.
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Großer Fehler!  😀 auf dem kommenden Meilen der Ridge war es steinig, windig wie sau.
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Aber wir konnten durch kniehohes Laub laufen. Ab und zu musste man auch ein wenig klettern. Am Dragon Thooth haben wir uns dann erstmal ausgetobt. Viele Fotos geschossen und geklettert.image

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  Auf dem Weg waren mega tolle Ausblicke in ein riesiges Tal möglich.
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Der Abstieg erwies sich als schwierig. Teilweise handbreite Tritte führten uns mit einer Menge Akrobatik über 1 Meile hinab. Das würde ich nicht mit meinen Kindern machen! Mit Rucksäcken ist es aber nochmals spannender. 
Immerhin konnten wir vom Tal aus zu einer Tankstelle laufen und uns mit Pizza, zwei Cheeseburger und Sodas beglücken.  Herrlich was Tankstellen für Hiker bedeuten können.
Weiter ging es seicht am Fluss entlang, über grüne Wiesen und Felder.
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Danach ein wenig Ridgewalking. Beim Abstieg zur VA311/ Parkplatz zum MC Afee Knob meinte ich beim Anblick der vielen Autos vielleicht gibt’s hier ja Trail Magic. Und gerade als wir ankommen laden zwei Ex Hiker eine große Kühlbox ab. Soda, Kuchen und Früchte. So kann man die letzten Meilen zum Gipfel angehen.
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  Am Shelter laden wir nochmals alle Wasser. Es zieht sich ewig und die extra Pfunde liegen schwer auf dem Rücken.  Aber gegen 17.30 erreichen wir einen der meist geknipsten Spots vom AT. Und das nicht zu Unrecht! Super Aussicht, toller Sonnenuntergang!  Nach einer Fotoorgie kochen wir und bereiten unser Nachtlager vor. Es weht ein sehr sehr kräftiger Wind. Aber da wir morgen den Sonnenaufgang genießen wollen steht für die Nacht Cowboycamping an. Einfach unter freiem Himmel.  Neben Büschen machen wir es uns bequem.
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  Der Mond scheint hell und die Sterne funkeln. Mein Ausblick aus meinem Schlafsack!
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  Aber es ist arsch kalt. Der Wind bläst mir in der Nacht alles was auf dem Boden liegt ins Gesicht.  Es stürmt quasi. Ich schlafe nicht viel. Verfroren steigen wir um 5.30 aus dem Schlafsack und frieren uns alles mögliche ab. Aber unter wolkenlosen Himmel erleben wir unser rotes Wunder!
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PS: Sind in Daleville > 700 Meilen
Gewandert: 17.3
Insgesamt: 711.7

Tag 47 – War Spur Shelter

Nachdem ich die Nacht allein im Shelter verbrachte,  sind Dizzy und Goose schon früh aus ihren Hängematten geschlüpft. Mir war es aber zu kalt. Erst gegen 7.45 bin ich dann aufgebrochen.  Von meiner Shelterbesetzung sah ich keinen mehr.
Die Sonne schien aber es war noch kühl.  Durch das mit Büsche gespickte Gelände sprang mit hoch gestreckten weißen Hinterteil ein Reh in riesigen, anmutigen Bögen aus meinem Sichtfeld.  Dann ging der Anstieg los. Steil, steinig, mich zur Wut bringend.  1700 Fuß. Wenigstes war nach der Hälfte der Weg nicht mehr so steinig und ausgesetzt.  Auf der Ridge ging es gut voran. Am Kelly Knob konnte ich ein paar schöne Ausblicke erhaschen indem ich auf riesige Felsen sprang.  Unter mir 6 Meter Spalten. 
Der Weg zum Laurel Creek Shelter war ok. Meine Kumpels waren aber schon ausgeflogen. 
Die kommenden grünen Wiesen brachten eine schöne Abwechselung.  Über eine überflutete Wiese durch einen gebrochenen Bieberdamm ging es hinauf zur Keffer Oak, über 300 Jahre alt und mit einem Umfang von 18′. Hübsches großes Teil.
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Aber nach einem Tal geht es wieder auf eine Ridge. Dieses Mal nur 1000 Fuß.  Aber steil wie sonst nichts. Ich bin hoch gekrochen,  die Sonne bruzelte mich dabei mit Vergnügen.  Oben angekommen ging es 4 Meilen über sie Ridge. Hier traf ich dann auch Chesseman wieder. Ließ ihn aber nach einem Schwätzchen hinter mir um zu Fresh Ground zu puschen. Über große Steinplatten ging es voran. Riesige, dunkel bewaldete Täler wanden sich zu beiden Seiten Kilometer weit entlang.  Von der linken Seite rollten schwarze Wolken heran und leerten sich nur zaghaft über mir. Der Abstieg zu FG kam mir ewig vor. Und nach 40 Minuten dachte ich, so lange brauche ich eigentlich nicht für 1,5 Meilen. Dann sah ich schon das Shelter.  Kein FG! Im Logbuch stand, dass er 1,5 Meilen weiter ist, vielleicht. 
Er war es nicht!  Bevor ich am Gap angekommen bin, wurde ich fast noch vom Wind verweht!  Es kam plötzlich ein Orkan auf. Ich dachte,  heilige .. so etwas hatte ich noch nicht erlebt. Ich hielt mich an einem Baum fest. Der Baum vor mit verlor seine Rinde,  die durch sie Luft wirbelte.  Dann sah ich meinen Baum an, an dem ich Schutz suchte.  Ein winziger, poröser kleiner etwas. In einer ruhigen Sekunden bin ich dann gerannt. 
Da FG nicht da war, habe ich um 15.15 erst einmal mittag gemacht.  Danach ging es auf den Brush Mountain zum Audie Murphy Monument.  Wieder 1600 hinauf, Sonne brennt. Der Weg schlingelt sich langsam über ausgetrocknete Nadel hinauf. Heftig.
Kurz vor dem Gipfel treffe ich unerwartet auf Hot Pants. Auf der Bank auf der Ridge sitzen wir dann zusammen und machen Pause mit Buster, Dizzy und Ayce. Dann ging es langsam wieder hinuter. Ewig. Ich war schon platt, die Füße fühlten sich noch gut an. Aber man, das war Arbeit.  Einfach erledigen und nicht dran denken.  Nach 4 Meilen,  die Trail und landschaftlich toll waren,  kam dann endlich die ersehnte Straße.  Von hier gings nur noch 1.3 Meilen bergauf.  Kleinigkeit. Um zum Pickle Branch Shelter zu kommen musste ich noch .3 Meilen über Wiesen laufen und vertrieb noch ein Reh. Am Shelter traf ich dann endlich auf Brightside und Rolling Thunder. Wir sind wieder zusammen unterwegs.  Das war gegen 19.15. Gut platt aber höchst zufrieden über die letzten Tage gibt Abendessen und Wein von Dizzy den er für FG mitgeschleppt hat. Morgen dann Dragon Tooth und MC Affee Knob.

Gewandert: 29.0
Insgesamt: 695.4

Tag 46 – Rice Field Shelter

Nachdem wir uns den nachmittag gemütlich mit essen und lesen vertrieben haben,  kam gegen 18.30 auch endlich das Gewitter.
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Schwarze Wolken,  so finster wie die Nacht.  Tiefes grollen aus der Ferne.  Und ein kleiner aber heftiger Regenschauer.  Na vielen Dank auch für 4 Stunden warten auf nichts. Naja, ganz so harmlos war es dann doch nicht. Gegen 19.30 sind noch Kiwi, Brightside und 6 weitere Hiker nass eingetroffen.  Später hat es auch öfter mal geblizt, es wurde auf jeden Fall ein langer abend.  Bis alle gegessen hatten war es bestimmt schon 21.30. Ich hab mich aber im Schlafsack verkrochen und war müde vom ganzen lesen. Im Endeffekt doch wieder ein toller Tag.  Das ist das gute hier. Ich kann noch so wütend auf Berge,  Wetter oder Gewicht sein, sehr bald ist alles wieder vergessen weil schnell neue Schöne Erfahrungen kommen!

Die lange Tagesetappe fällt heut aus. Wir sind um 5 wie abgesprochen aufgewacht, aber es war so windig und kalt, dass wir uns wieder hingelegt haben 😉
Gegen 7 gings dann ohne Wind und bei Tageslicht aus dem Bett.  Ein Schlafsack kann sooo gemütlich sein! Ich war ziemlich schnell mit allem fertig und bin 7.30 gemeinsam mit Shaft losgetiegert. Mit ihm bin ich übrigens auch vom Hikerhostel aus gestartet.  Über die Ridgeline ging es jetzt 12.6 Meilen bis zum nächsten Shelter. Eine weite Strecke für einen Bergrücken. Doch saa Terrain war gnädig und es verlangte nur seichte ab und Aufstieg ab. Der Wind blies jedoch wieder und hielt den kühlen morgen in der Luft.  Ridgeline laufen ist leider ein wenig wie auf einem Laufband zu laufen.  Meist das gleiche. Fast keine Ausblicke. 4 Stunden hoch, runter. Die Ausblicke die wir aber hatten ware  wundervolle.  Große Täler,  dicht bewaldet.  Dazu Herr der Ringe Musik und man denkt gleich kommen die Urukai, oder wie auch immer die geschrieben werden, auf den Trail gerannt.
Als die Ridgeline nach einem kleinen Berg dann endlich hinab zum Pine Swamp Branch Shelter führte,  bin ich fast vier mal auf eine Schlange getreten. Ich hatte echt die Schnauze voll von den Biestern und bin nur langsam weiter gelaufen. Am Shelter gabs dann aber in ruhe Mittag.  Thunfisch ohne alles schmeckt nicht.  Die Knoblauchmischung bringts mehr. Ich hab den zweiten Wrap mit ordentlich Erdnussbutter gegessen.  Übrigens sehr interessant,  die ultimative leckere Kalorienbombe ist 1/3 Erdnussbutter,   1/3 Honig und 1/3 Butter im Erdnussbutterglas mischen. Habs nur gehört und noch nicht getestet.  Das lass ich auch lieber. Ich will nicht mit 80 oder 90 Kilo auf Mount Katahdin steigen 😀
Am Nachmittag gings dann weiter zum Bailey Gap Shelter. Hört sich nach Spaß an, ist es aber nicht. Zuerst geht es am Fluß entlang.  Das war ok. Viel überschwemmter Trail ist nichts neues. Der folgende Anstieg über 1000 Fuß hat mich dann aber in Rage versetzt! Ich war richtig sauer auf den Trail, wieso muss man denn bitteschön von einer Ridgeline auf die andere wechseln und dabei das tiefste Tal mitnehmen was man findet.  Der Aufstieg war jedenfalls steil. Verdammt,  ich flipp gleich aus in der Mittagssonne,  steil! Wahrscheinlich haben die einfach von oben einen großen Stein runterrollen lassen und unten noch ein Schild mit AT aufgestellt. Nach einer Pause im Shelter und dem ein oder anderen Schokoriegel war aber alles wieder vergessen und ich freute mich die letzte Etappe für heute anzugehen.  8.8 Meilen zum War Spur Shelter. Wenn ich das erledigt habe,  hätte ich 25.3 Meilen geschafft. Das war mein Ansporn und es klappte gut. Allerdings gab diese Ridgeline nichts her. So viele Steine.  Große und kleine. Man konnte nicht richtig Meilen reißen. Es war zwar schön,  aber die Zeit verging ebensowenig wie die Meilen.  Ich hätte mir fast das Bein gebrochen und ein paar Bänder im Knöchel gerissen ( passiert mir fast jeden Tag mit dem Knöchel) aber die sind wahrscheinlich schon so ausgeweitet das nicht mehr viel passiert.  Ist eben nicht ohne über ein Steinmeer mehrere Kilometer zu laufen.  Zwangsläufig muss halt mal was passieren. Aber nicht heute.  Alles gut!
Am späten Nachmittag gabs dann endlich eine verdiente Aussicht vom Wind Rock. 
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Riesiges Tal rauf und runter nur Wald.  Danach waren es aber immer noch 5 Meilen, aber besser zu laufen.
Der Abstieg hingegen erinnerte auf den ersten Kilometer an Georiga. Einfach einen Wasserlauf folgen. Riesige Stufen,  viel Laub und Steine  welche man nicht sieht. Aber egal, gegen 17.30 war ich dann da. Kochen und ab ins Shelter legen und gemütlich Blog schreiben und Snacks vernichten. Morgen erreiche ich Fresh Ground.

Gewandert: 25.3
Insgesamt: 667.1
Wetter: sonnig & windig