Tag 106 – Stratton Pond

Die Aussicht auf den Sternenhimmel war großartig.  Doch mein Schlafsack und Zelt wurden ohne Rainfly doch ein wenig nass. Gegen 5 musste ich mir auch meine Daunenjacke anziehen.  Dizzy und P Diddy zogen schon früh an meinem Zelt vorbei. Ich machte mich dann auch vergleichsweise früh auf meine Sachen zu packen. Der See lag während dessen ruhig da und wurde von Nebelbänken überflogen. Ich zog mit Buster los um zügig in die Stadt zu kommen. Es war fast nur flaches Gelände.  Doch die vielen Matschfelder und Bäche machten den kurzen Trip doch zu einem Erlebnis. Die Matschfelder scheinen immer größer zu werden.  Den letzten, ein wenig hügeligen Teil, brachten wir auch schnell hinter uns als wir an einer Schneise für Strommasten die VT 11 sehen konnten.  Wie immer ein gutes Gefühl die Straße zu hören. Sehr erlösend.
An der Straße versuchte bereits Drifter eine Fahrt zu ergattern. 
Zu dritt versuchten wir es weiter.  Es hielten gleich zwei Autos an und wir verteilten uns. Ich bekam auf der Fahrt gleich noch einen CliffBar in die Hand gedrückt. Die erste Station war Subway. Ein großes Sandwich danach einkaufen.  Giuseppe hatte einen guten Burrito Laden in den wir anschließend gingen. Wirklich köstlich.  Ein großer fladen gefüllt mit Reis, Bohnen, Salat,  Hünchen,  Käse und verschiedenen Saucen.  Danach war ich gut gefüllt.  Auf dem Rückweg kam dann aber wieder der Gedanke Essen in den Vordergrund.  Also noch einen großen Milchshake.  Die Rucksäcke konnten wir während der ganzen Zeit im Outfitter lassen, in dem ich gleich noch ein paar neue Socken gekauft habe. Ein paar ist bei den matschigen Bedingungen vielleicht doch zu wenig. Ewig nasse Füße. 
Nach dem Milchshake haben Buster und ich noch bei Subway einen Kaffee getrunken und die Elektronik aufgeladen. Ein großes Subway fürs Abendessen war natürlich auch noch drin. Gegen 5 haben wir dann versucht eine Fahrt zurück zu bekommen.  Der Himmel hatte sich stark verdunkelt.  Die letzten zwei Meilen zum Shelter gingen dann trotz schwerem Rucksack und Aufstieg unglaublich schnell hinüber.  Wie immer in VT viel Matsch und Wasser. 
Im Shelter war zum Glück noch genug Platz.  Ein Platz neben Brightside und Buster. Das Zelt konnte ich im Shelter auch noch aufhängen.  Ich dachte nicht,  dass ich das Subway  nach einem so verfressenem Tag so schnell essen könnte. Aber es ging. Problemlos. Schon in den frühen Morgenstunden hatte ich wieder schmerzhaften Appetit. Der düstere Himmel hatte sich zum Glück nicht über uns ergossen.

Gewandert: 12.5
Insgesamt: 1653.1

Tag 103 – Williamstown

Auch im abgedunkelten Hotelzimmer bin ich schon vor 6 wach. Frühstück gibt’s aber erst ab 7. Gemütlich drehe ich mich um schaue CNN. Das Frühstück ist nicht schlecht. Nebeb Bageln und Kaffee gibt es auch Doughnats und anderes süßes Gebäck.  Ich treffe auch Drifter wieder. Ihn habe ich zum ersten Mal in den Smokies kennen gelernt. Schön einen anderen ThruHiker zu treffen,  denn auf dem Trail trifft man größtenteils nur auf Sektion und Dayhiker. Der Weg zum Frühstück war zum Glück nicht schmerzhaft. Also kann ich mich zum auschecken vorbereiten. Um 11 werden wir vom Hotel zurück zum Trail gefahren.  Ich steige aus und richte meine Stöcke ein.  Als wir dann weiter gehen steht Rolling Thunder vor mir! Er schaut genauso ungläubig wie ich. Tja, alle haben ein paar Tage Pause gemacht und kommen jetzt vom Greylock Mountain. Gestern den letzten Wanderpartner verloren,  heute alten wiedergefunden. Perfekt! Wir wandern zurück in die Stadt.  Bei Pizza warten wir auf den Rest der Truppe. Brightside, Heat Pack, Buster, Sparkels und Seeker. Wir essen gemütlich und kaufen noch ein wenig im anliegenden Laden ein.  Erst gegen späten Nachmittag laufen wir zum nächsten Shelter los. Voll gestopft mit Pizza und Eis bringt das meinen Magen ganz schön in Schieflage.  Der Anstieg ist lang und die Sonne brennt. Auf dem Bergrücken merke ich dann allerdings wieder meine Füße.  Nicht so gut. Aber die Grenze zu Vermont ist nah, ebenso wie das Shelter. Der Trail zeigt sich für VT von seiner besten Seite!  Schlamm und Matsch so weit das Auge reicht.  Man kann nun wieder den Spießrutenlauf starten. Gehüpfe und gespringe. Gerutscht und Abgerutscht.  Aber nicht so schlimm.  Meine Füße bleiben heute zum Glück trocken.
Am Shelter schlagen alle ihre Zelte auf. Zu viel Ungeziefer in der Luft.  Es stehen am Ende des Abends 12 Zelte und 4 Hängematten! Selbst im Shelter schlafen ein paar.  Es ist full house. Wir treffen auch andere alte Gesichter.  Dizzy, P Diddy oder Giuseppe.  Wir haben unseren Spaß zusammen und freuen uns endlich wieder miteinander zu wandern.  Meine Zweifel am Morgen wie ich ohne gute Freunde nach Maine kommen kann, mit meinen Füßen unfähig die drei Tage voraus gedachten einzuholen, Numbers weg, nur Sektionhiker um mich herum, die anderen weit hinter mir,  sind vergessen. Mal schauen was meine Füße Morgen sagen. Sieht an mehreren Zehen wund aus. Beim nächsten Outfitter wechsel ich auf jeden Fall die Socken.  Die Schuhe halten noch zusammen,  auch wenn sie hier und da den Geist aufgeben.  Möglichkeit vor oder nach den White Mountains das paar zu wechseln. 

Da so viel Gutes passiert ist, habe ich heute auch wieder angefangen zu schreiben.  Nicht das die letzten Wochen mies waren,  aber man kann sich schnell etwas abgewöhnen dessen Arbeit man sich nicht immer machen will. Hat man nach einem anstrengenden Tag die Wahl zwischen Buch lesen, schlafen oder Blog schreiben muss man sich doch zusammen reißen um das durchzuhalten.  Ich habs nicht ganz geschafft und ziehe meinen Hut vor den Bloggern der letzten Jahre. Ich bleib dran! Beiträge kommen

Gewandert:
Insgesamt:

Tag 91 – West Mountain Shelter

Die Zelte um mich herum erwachen schon um 5 zum leben.  Ich drehe mich um und warte bis Numbers nach mir fragt. Wir laufen dann erst gegen 8.30 los. Runter vom West Mountain und hinauf zum Bear Mountain.  Der Trail ist wirklich super in Schuss.  Liegt aber wohl daran,  dass dieser Berg ein wahrer Touristenmagnet ist. Steinstufen führen uns hinauf. Über breite Schotterwege laufen wir wie durch einen Park. Vom Perkins Memorial Tower können wir die Skyline heute leider nicht sehen, aber wir haben etwas besseres gesichtet. Einen Sodaautomaten! 😉 Wir gönnen uns ein kaltes Getränk und relaxen während die Automaten neu gefüllt werden.  Der interessierte Arbeiter schenkt uns dann auch noch zwei Flaschen Wasser und entsorgt unseren Müll. Dann geht’s wieder bergab.  1200 Fuß. Und alles so Fußfreundlich. Fast wie auf einem Bürgersteig. Für meine Wanderbeine ein wenig zu gut. Allerdings können wir im Tal durch einen Zoo laufen, bekommen neben Eis auch die ersten Klapperschlangen und andere Reptilien zu Gesicht.  Über den Hudson River geht es auf einer riesigen Brücke.  Als Fußgänger müssen wir zum Glück keine 1.50 $ zahlen. 
Wir sind beide ziemlich müde und erschöpft.  Es ist zwar noch früh und wir sind erst 7 Meilen gelaufen, doch wir sind beide in einem körperlichen Tief gefangen.  Als ob der Stöpsel gezogen worden ist.  Einfach ohne Energie.  Zum nächsten Einkauf,  Numbers ist trocken gegessen,  sind es „nur“ 6 Meilen. Wir schleppen uns also träge und erschöpft den nächsten Berg hinauf.  Meine Augenlider liegen so tief, dass ich befürchte gleich einzuschlafen. Es ist beängstigend in so einer Verfassung Berge hinauf und hinunter zu steigen. Wir schaffen es auf jeden Fall bis zum Appalachian Market und füllen unsere leeren Akkus mit reichlich Pizza. Ein paar Snacks für die nächsten Tage und den Abend sind natürlich auch drin.  Wir sind uns beide einig, und das hat mich bei Numbers wirklich überrascht,  dass wir noch eine Meile bis zum Graymoor Spiritual Life Center gehen und dort im Shelter übernachten.  Irgendwann ist halt mal Schluss mit wandern und nach nur einem 14 Meilen Tag, es fühlt sich mindestens nach 24 an, kommen wir am Shelter an. Wasser, kalte Dusche, Toiletten. Alles was der Wanderer braucht. Perfekt. Aber ich baue nur noch mein Innenzelt auf und verabschiede mich für den restlichen Nachmittag in meinen Schlafsack. Es ist gerade mal 16.00 Uhr doch ich bin reif. Auf dem Handy laufen zwei Filme die ich im Dämmerzustand verfolge. Ohhh tat das gut. Am Abend kommen dann Brother Lui und Ten Speed an. Endlich ein Hiker der meine Sprache spricht. Aus dem Zelt heraus und schlaftrunken unterhalte ich mich dann ein wenig ungewohnt auf deutsch. Erst langsam erwache ich und mache mich in die andere Welt außerhalb des Zeltes auf.  Rede auf deutsch,  werde aber immer wieder von englischen Vokabeln unterbrochen. Schön einen Schweizer zu treffen. Nebeher liebe Grüße an die Mutter und Leserin meines Blogs 😉
Zum Abendessen habe ich noch ein Stück Pizza.
Die Nacht, ich bin eigentlich immer noch müde,  bringt keinen Schlaf.  Erst nach Mitternacht kehrt Ruhe ins Shelter. Entweder ist es wieder zu warm,  oder ich war einfach zu ausgeruht. Gegen 1 fängt es an zu regnen.

Gewandert: 14.1
Insgesamt: 1410.0

Sind heute in Great Barrington, Meile 1521 angekommen und legen morgen noch einen Zero ein. Beiträge der letzten Tage folgen dann. War ein wenig Flachs mit der Schreibmoral an den Abenden.  😉

Tag 90 – NY 17A Aussichtspunkt

Es windet sehr. In der kühlen Morgenluft die klammen Wanderklamotten anzuziehen ist wirklich nicht so schön.  Wir sehen zu das wir schnell in Bewegung kommen. Das nächste Shelter ist nur 2 Meilen entfernt.  Wir nutzen die Gelegenheit zum Wasser holen. Die ganzen Bäche die sen Trail kreuzen sind nicht so der hit. Meist rötlich gefärbt wirbeln noch eine Menge Blasen und Schaum im Wasser.  Nein, danke.
Gleich nach dem Abstieg erwarten uns die Fitzgerald Falls. Ein Wasserfall an dem wir über eine Steintreppe hinauf gehen können.  Es geht nun stetig bergauf. Die ganzen Büsche ragen in den Trail hinein.  Das ist erfrischend für die  Beine,  aber kratzen ist schlecht für die ganzen Moskitostiche. Und ich habe einige. Am Mombasha High Point lasse ich mich auf einem Stein nieder. Ich bin gerade wirklich müde.  Wir sind zwar erst 2,5 Stunden unterwegs aber ich nicke in meinen Rucksack versunken ein. Erst nach 40 Minuten und 3 Schokoriegeln geht die Reise weiter. Es folgt eine Reihe von vielen Auf und Abstiegen. Klein aber oho. Klettern, aber sicher.  Die Landschaft wirkt sehr weitsichtig.  Die  Bäume stehen in großen Abstand zu einander. Dazwischen Glasflächen.
Wir klettern so im laufe des Tages auf so einige Berge.  Das wirkt bei mir ziemlich schnell ermüdend. An jeder Straßenquerung treffen wir auf Wasserkanister. Bestimmt 40 Liter. Gegen Mittag treffen wir auf Chey. Wir wollen aber noch zum nächsten Aussichtspunkt laufen um dort zu kochen.  Beim Abstieg zur nächsten Straße sehen wir wieder eine Kühlbox. Während Numbers sie öffnet verfalle ich schon in lauten Jubel! Jackpot! Die beste Kühlbox die ich je gesehen habe. Wir legen hier Mittagessen ein und  verzehren Wraps, gegrilltes Hähnchen,  Bananen,  Nektarinen,  Gatorade, Proteindrinks und Zimtschnecken. Was für eine passenden Trail Magic Überraschung! 
Der Abstieg vom Arden Mountain war eine wahre Kletterei.  Hat Spaß gemacht.  Doch leider müssen wir auf der anderen Seite wieder hinauf.
Wir müssen in den kommenden Abschnitten öfter klettern.  An einer Felsspalte muss ich meinen Rucksack abnehmen,  da ich sonst nicht hindurch komme. Chey nimmt ihn über mir an und ich kann hinaufsteigen.  Kurz nach dem Fingerboard Shelter machen wir noch eine Pause in der Sonne. Das Gelände ist wirklich einladend.  Weitläufigkeit verteilen sich große Bäume auf saftigen Wiesen. Blaubeerbüsche sprießen zwischen großen Felsplatten. Am nächsten Shelter kochen wir dann schon einnal. Das bringt nochmals Energie für die letzten 3 Meilen.  Das nächste Shelter verspricht eine Aussicht auf die Skyline von New York.  Auf dem Weg dorthin werden wir auf dem Black Mountain schon bedient. In der Ferne graben sich die schwarzen Türme aus dem grauen Smog.  Das West Mountain Shelter liegt 0.6 Meilen vom Trail entfernt.  Das ist uns nach dem Anstieg zu weit. Wir schlagen unsere Zelte auf einer Wiese des Bergrückens auf. Chey ist auch schon dort. Eine Aussicht haben wir nicht,  aber nicht so schlimm.  Hatten wir ja schon.  Wäre aber schön gewesen  die Skyline bei Nacht zu sehen.
Jedenfalls sind wir beide platt. Scheinen beide im Energiesparmodus zu laufen. Manchmal hat man einfach keine Kraft. Vielleicht lag es auch an der vielen Kletterei.  Numbers Uhr zeigt mehr als 6600 Fuß an. Ich schlafe wie ein Stein. 

Gewandert:  25.5
Insgesamt: 1396.6